Der lange Weg zum eigenen Vereinsheim

Im Bereich um das heutige Vereinsheim, links und rechts des Hauptweges bis zur Wegkreuzung (Rondell), befand sich von 1941/42 bis Kriegsende ein Gefangenenlager mit sechs Baracken. Hier waren so genannte Ostarbeiter und französische Gefangene untergebracht. Nach 1945 wurden 4 der 6 Baracken durch städtische Betriebe abgebrochen. Auf Kellerreste der Baracken kann man heute noch stoßen. Übriggeblieben ist eine größere Holzbaracke mit festem Fundament und Keller. Sie wurde am 22. Mai 1946 an den Verein verpachtet und am 23. April 1952 unentgeltlich vom Landesbaurat Sell übergeben.

In den Jahren von 1952 bis 1956 wurde diese Baracke abgerissen und auf deren Grundmauern in freiwilligen Aufbaustunden ein Vereinsheim mit Küche und Saal sowie ein Geräteraum errichtet. Ein großer Teil des Materials wurde aus dem ehemaligen Zahnradwerk geborgen.

Aufbau des Vereinsheims Aufbau des Vereinsheims Aufbau des Vereinsheims Aufbau des Vereinsheims

In den 1980er Jahren entstand der Wunsch der Mitglieder nach einem eigenen Vereinsheim. So wurde 1988 der Beschluss gefasst, den am Vereinsheim angrenzenden Kohlenraum dafür auszubauen. Äußerst schwierig war die Materialbeschaffung, angefangen von Steinen für einen Schornstein, den Fußbodenbelag, eine Holzdecke, ein Ofen und ein Fenster. Dennoch war es nach relativ kurzer Zeit soweit. Allerdings konnte das Vereinszimmer nur durch den Gastraum betreten werden. Im Jahr 1990 wurde durch den Wirt die Mitbenutzung gestattet. Das hatte den Vorteil, dass es geheizt wurde.

Ein neuer Wirt und das Ende des alten Vereinsheimes

Während der Wende - in den Monaten Oktober und November 1989 wurden in über 90 freiwilligen Arbeitsstunden umfangreiche Werterhaltungsmaßnahmen am Vereinsheim im Wert von rund 10.000 DM durchgeführt. Am 1. Dezember wurde es mit einem neuen Wirt wiedereröffnet. Die Gaststätte ging gut und fand auch viele Gäste, sogar aus benachbarten Neustadt und Umgebung, was besonders durch den damalige „Schwindelkurs“ begünstigt wurde. Leider versäumte der Wirt, den Platz für Stammgäste, insbesondere der Kleingärtner, zu sichern und so blieben diese nach und nach weg.

Eine abrupte Veränderung des Zuspruchs für die Gaststätte vollzog sich nach der Währungsunion. Die neuen Gäste gingen wieder dahin woher sie gekommen waren und die Stammgäste hatten sich eine andere Gaststätte ausgewählt. Durch den Verein wurde der Wirt aber weiterhin durch Veranstaltungen, wie Gartenfeste, Versammlungen und Tagungen weiter unterstützt.

Das Vereinsheim verliert seinen Versicherungsschutz.

Nach der Wende gab es ein großes Problem, wie der damalige Vorsitzende des Stadtverbandes der „Kleingärtner Sonneberg“ e.V. in einem Schreiben vom 5. Januar 1990 an die Vorsitzenden der Vereine mitteilte: Mit der Auflösung des VKSK läuft auch der Versicherungsschutz zum 31. Dezember 1990 aus. Nach Monaten des Bemühens durch den 1. Vorsitzenden konnte das Vereinsheim zum 1. Dezember 1991 neu versichert werden. Dies kostete den Verein allerdings jährlich über 1200 DM, was sich jedoch später als richtig erweisen sollte.

Eine erschreckende Nachricht

Wir schreiben den 9. Mai 1992. Es ist früh gegen 5.00 Uhr, als beim 1. Vorsitzenden das Telefon klingelt. Es meldet sich der Wirt und sagt: „Bei uns im Heim hat es gebrannt, du brauchst aber nicht gleich kommen, die Polizei und Feuerwehr lassen keinen ran.“ Als der Vorsitzende sich sofort auf den Weg macht, sieht er bereits auf Höhe Autohaus Liebermann Flammen und Rauch über den Bahndamm. Es war schon ein großer Schreck, der den Vorsitzenden durchfuhr, denn schon von weitem konnte man das Ende des Vereinsheimes erkennen, was sich dann auch bestätigte.

Aufbau des Vereinsheims

Es folgten dann aufregende Tage: Anzeige bei der Polizei gegen unbekannt, Meldung an die Versicherung, Sicherung der Ruine, Aussprachen mit dem Wirt und immer wieder die Frage: Wie konnte es passieren? Der Wirt gab an, er habe um Mitternacht die Gaststätte verlassen, da sei alles noch in Ordnung gewesen. Es geriet dann wohl jemand in Verdacht, aber es war nichts zu beweisen.

Kurze Zeit später begutachtete ein durch die Versicherung beauftragter unabhängiger Bausachverständiger aus Nürnberg den Schaden vor Ort. Mitte Juni teilte die Versicherung mit, sie werde den Schaden nur zum Neuwert ersetzen, wenn ein Neubau entsteht.

Auf einer kurzfristig anberaumten Mitgliederversammlung unter freien Himmel stellten die Vereinsmitglieder ihre ersten Vorstellungen zur Abstimmung. Es sollte mit dem Geld ein kleines Vereinsheim errichtet werden, allerdings ohne Wirtschaft, welches zur Nutzung bei Versammlungen und für Familienfeiern gemietet werden könne. Dieser Vorschlag fand die Zustimmung der Mehrheit der Mitglieder.

Nach einer ersten Beratung mit den beiden Architekten Walter Schoder und Hans Liebermann von der Bauplanung GmbH Suhl, Abteilung Sonneberg, kam man zu dem Entschluss, in preiswertester Weise ein Heim mit Gaststätte wieder zu errichten. Dies fand letztlich auch die Zustimmung der Mitglieder. Mit tatkräftiger Unterstützung durch Gartenfreund Werner Müller wurde der Auftrag zur Planung eines Vereinsheimes mit 50 Plätzen mit Küche und Toiletten in Fertigteilbauweise vergeben.

Allerdings überschritt dieser erste Plan unsere finanziellen Möglichkeiten bei weitem, so dass nocheinmal geplant werden musste. Schon der Abriss des alten Gebäudes erwies sich als ernste Hürde bei den Kosten. Bei den Ausschreibungen - auch etwas Neues für uns - belief sich der teuerste Anbieter auf zirka 60.000 DM, der preiswerteste auf knapp 20.000 DM. Die Versicherung wollte jedoch nur Kosten in Höhe von 10.000 übernehmen.

In Beratung mit den Vorstandsmitgliedern und der Versicherung, ist es letztlich gelungen, ein schuldenfreies Heim ohne zusätzliche Belastung der Mitglieder zu bauen. Wie sich später herausstellen sollte, wurde baulich nicht alles so umgesetzt, was finanziell bezahlt worden ist.

Der 15. Mai 1993 wurde uns als Termin gestellt, die Grundplatte des Heimes mit bestimmten Vorgaben fertig zu stellen. Die wurde dann durch die Firma „Haas - Holz und Hausbau GmbH“ abgenommen und uns mitgeteilt, das am 1. Juni 1993 die Arbeiten beginnen sollten.

Aufbau des Vereinsheims

Der 1. Vorsitzende staunte nicht schlecht, als er an diesem Tag gegen 9.00 Uhr zur Baustelle kam: Das halbe Heim war schon fast fertig. Am zweiten Tag gegen Abend stand das Heim fertig gedeckt. Mit vollem Einsatz wurde das Richtfest vorbereitet und durchgeführt.

Aufbau des Vereinsheims Aufbau des Vereinsheims Aufbau des Vereinsheims Aufbau des Vereinsheims

Ein lang gehegten Wunsch: ein Vereinszimmer mit separatem Eingang

Während der Abbrucharbeiten wurden die Reste der Außenwände des ehemaligen Vereinszimmer und des daneben befindlichen Kohlenkellers trotz vieler Einwende stehen gelassen. Vom Bau des Vereinsheimes blieb etliches Material übrig, welches im alten Geräteraum zwischengelagert wurde. So entstand die Idee, aus diesen Materialien einen Anbau zu errichten. Gesagt getan - das Architektenbüro projektierte einen Anbau kostenlos als Zugabe. Beim Neubau des Vereinszimmers wirkten ganz spontan einige Kleingärtner mit, als es darum ging, beim Dachdecken Ziegel zuzureichen und die Tür zu streichen.

Nach der Neueröffnung folgten mehrere Pächter, die das Vereinsheim "Mariensee" als Gaststätte bewirtschafteten.

Aufbau des Vereinsheims

Schreckensmeldung: Einbruch ins Vereinsheim

Im Dezember 2008 wurde der Vorsitzende von der Polizei in den Morgenstunden aus dem Bett geholt. Drei Jugendliche sind ins Vereinsheim eingebrochen und wurden dort von der Polizei festgenommen. Durch ihre Fluchtversuche vor der Polizei zerstörten sie große Teile der Decke in Gastraum und Küche. Großer Schaden erfolgte durch die Feuerwehr, die die Eingangstür zerstörte, um der Polizei den Zugriff auf die Einbrecher zu verschaffen. Der Gesamtschaden belief sich auf rund 10.000 Euro.

Einbruch ins Vereinsheim Einbruch ins Vereinsheim Einbruch ins Vereinsheim

Leider hatte es der Wirt versäumt, eine entsprechende Versicherung abzuschließen. Er selber konnte den Schaden aus eigenen Mitteln nicht begleichen, so dass der Verein erneut tief in die Tasche greifen musste, um die Gaststätte wieder verpachten zu können. Ursprünglich wurde versucht, mittels der von den Kleingärtnern zu erbringenden Pflichtstunden zu realisieren. Hier stellte sich aber leider heraus, dass einige fachlichen Voraussetzungen doch fehlten. Somit mussten Firmen damit beauftragt werden. Da zu diesem Zeitpunkt die finanziellen Mittel auf Grund der neuen Energiezuführung durch den Kreiselbau am Marienthal nicht ausreichten, mussten Mittel und Wege gefunden werden, um die gesamte Renovierung finanziell abzusichern. Das dies in der zur Zeit wirtschaftlich sehr komplizierten Lage nicht einfach war, spürte der 1. Vorsitzende Uli Wohlfarth schon sehr bald. Doch er ließ sich nicht entmutigen, da ihm auch der Kreisverband der Kleingärtner mit einem zinslosen Darlehen entscheidend unter die Arme griff, ohne die Mitglieder finanziell zu belasten.

Renovierung und Neueröffnung mit neuem Wirt

Das Vereinsheim konnte am 1. November 2009 unter der Regie von Andreas Brückner wiedereröffnet werden.

Aufbau des Vereinsheims

Ende November fand die offizielle Eröffnung statt, an der alle Beteiligten dieser Renovierung eingeladen wurden und weitere Kleingärtner, die viele Stunden ehrenamtlich zur Verschönerung und Wertehaltung der Kleingartenanlage Mariensee leisteten. Hier wurde nochmals auch im Namen aller Kleingärtner den Firmen gedankt, die ihre Arbeitsleistungen dem Verein nicht in Rechnung stellten und somit erheblich dazu beigetragen haben, dass dieses schöne Vereinsheim weiter genutzt werden konnte.

Aufbau des Vereinsheims Aufbau des Vereinsheims

Besonderen Dank ging an die Likra-Werke, welche dem Verein finanziell unbürokratisch geholfen hat, die Elektro eG und hier besonders den Elektromeister Stefan Wohlfarth, welcher manchmal bis in die Nacht kostenlos die elektrische Anlage auf den neusten Stand brachte. Dank galt ebenso der Firma Uwe Pertsch aus Effelder, die ebenfalls viele Leistungen dem Verein nicht in Rechnung stellte, und die Gessner Brauerei, welche ebenfalls die flüssige Versorgungsanlage kostenlos auf den neusten Stand brachte. Nicht zuletzt dem 1. Vorsitzenden Ulli Wohlfarth, der alles organisierte und selbst beim Renovieren mit Hand anlegte und hier viele Stunden ehrenamtlich leistete. Dankeschön aber auch den Gartenfreunden Drowski, Barnikol, Riedel, Schubert und Greiner, die ebenfalls viele freiwillige Zeit in ihr Vereinsheim steckten.


Eine neue Kläranlage musste her

Bei einer Routinekontrolle im Jahre 2014 festgestellt, dass die Kläranlage des Vereinsheimes einzustürzen drohte. Um unsere Begegnungsstätte nicht schließen zu müssen entschlossen wir uns, trotz einer finanziell angespannten Lage erneut solch ein wichtiges Projekt anzugehen.

Aufbau des Vereinsheims Aufbau des Vereinsheims

Im Verlaufe von einem Jahr wurde mit Hilfe des Wasserwerkes Sonneberg und der Sonneberger Firma SDL eine vollbiologische Kleinkläranlage geschaffen. Auch wenn diese Anlage 23.000 Euro kostete, ist sie doch zukunftssicher und genügt dem ökologischen Anspruch der nächsten Jahre und passt somit auch prima in ein kleingärtnerisches Dasein. Auch hier ist der Vorstand stolz, dass sich die Mitglieder nicht finanziell daran beteiligen mussten.

Abschließend möchte ich hervorheben, dass der derzeitige Wirt Andreas Brückner, der mittlerweile zehn Jahre das Vereinsheim unter seine Regie führt, ein wahrer Glücksgriff für den Verein darstellt.

Uli Wohlfarth, Vorsitzender des Kleingartenvereins "Mariensee"